WordPress oder statische HTML-Website?Warum ich heute vielen Unternehmen keine WordPress-Website mehr empfehle
WordPress ist nicht plötzlich schlechter geworden. Aber meine Sicht darauf, welche Technik kleine und mittelständische Unternehmen wirklich brauchen, hat sich grundlegend verändert.
Meine Sicht auf Websites hat sich grundlegend verändert
Nicht, weil WordPress plötzlich schlechter geworden ist, sondern weil ich im Laufe der Jahre immer besser verstanden habe, was kleine und mittelständische Unternehmen tatsächlich brauchen.
Vor ein paar Jahren hätte ich diesen Artikel wahrscheinlich selbst nicht geschrieben.
Auch ich habe einige Websites mit WordPress umgesetzt. Häufig in Kombination mit Elementor. Das war damals für mich der logische Weg.
Die Argumente klangen überzeugend:
- Inhalte lassen sich selbst pflegen.
- Neue Seiten sind schnell erstellt.
- Für nahezu jede Funktion gibt es ein passendes Plugin.
- Unternehmen bleiben unabhängig.
Und genau damit habe ich selbst argumentiert.
Heute sehe ich vieles etwas differenzierter – nicht, weil WordPress schlecht wäre, sondern weil die Realität bei meinen Kunden häufig ganz anders aussieht als die Theorie.
„Wir pflegen die Website später selbst.“
Diesen Satz habe ich im Laufe der Jahre unzählige Male gehört. Und ehrlich gesagt habe ich ihn früher selbst geglaubt.
Die Idee dahinter ist absolut nachvollziehbar: Das Unternehmen spart langfristig Kosten, bleibt unabhängig und kann Inhalte jederzeit selbst aktualisieren. Zumindest in der Theorie.
Die Praxis sieht jedoch oft anders aus.
Der Alltag kommt dazwischen. Kunden müssen betreut werden. Mitarbeiter geführt. Angebote geschrieben. Rechnungen bezahlt.
Und irgendwann rutscht die Website immer weiter nach unten auf der Prioritätenliste.
Wenn ich einige Jahre später dieselben Websites erneut sehe oder übernehmen darf, begegnet mir häufig ein ähnliches Bild:
- veraltete Inhalte,
- fehlende Optimierungen für Suchmaschinen und KI-Systeme,
- ungepflegte Plugins,
- ausstehende Sicherheitsupdates,
- langsame Ladezeiten,
- technische Fehler,
- Sicherheitslücken,
- und Texte, die längst nicht mehr zum Unternehmen passen.
Nicht, weil sich niemand kümmern möchte, sondern weil Unternehmer in erster Linie Unternehmer und keine Webdesigner sind.
Das eigentliche Problem ist häufig gar nicht WordPress
Je länger ich in diesem Beruf arbeite, desto klarer wird mir: Das eigentliche Problem ist häufig gar nicht das Content-Management-System. Es ist vielmehr die Annahme, dass kleine Unternehmen ihre Website dauerhaft selbst pflegen werden.
Natürlich gibt es Ausnahmen. Unternehmen mit eigenen Marketingabteilungen, Redakteuren oder Mitarbeitenden, die regelmäßig Inhalte veröffentlichen, sind mit einem CMS oft genau richtig aufgestellt.
Viele kleinere Betriebe haben jedoch andere Prioritäten.
Und genau deshalb stelle ich heute eine andere Frage als früher:
Wird dieses Unternehmen seine Website in den nächsten Jahren wirklich regelmäßig selbst pflegen?
Nicht theoretisch. Sondern ganz konkret.
Erst danach entscheide ich, welche technische Lösung sinnvoll ist.
Welche Arten von Websites gibt es eigentlich?
Wer sich mit dem Thema Website beschäftigt, stößt schnell auf Begriffe wie Homepage-Baukasten, CMS oder statische HTML-Website. Oft werden sie durcheinandergeworfen, obwohl dahinter völlig unterschiedliche Ansätze stehen.
Website-Baukästen
Anbieter wie STRATO, IONOS, Wix, Jimdo oder Squarespace richten sich vor allem an Menschen, die ohne Programmierkenntnisse schnell eine Website erstellen möchten. Das funktioniert erstaunlich gut, solange die Anforderungen überschaubar bleiben.
Für Vereine, kleinere Projekte oder einfache Unternehmensseiten kann das eine sinnvolle Lösung sein. Wer allerdings individuelle Funktionen, maximale Flexibilität oder eine gezielte Optimierung für Suchmaschinen und KI-Systeme benötigt, stößt bei Baukastensystemen häufig an Grenzen.
Google AI Overviews oder andere KI-gestützte Suchsysteme bewerten Inhalte immer stärker nach Qualität, Struktur und fachlicher Relevanz. Je individueller eine Website aufgebaut werden kann, desto leichter lassen sich Inhalte gezielt auf die eigene Zielgruppe ausrichten.
Content-Management-Systeme (CMS)
Zu den bekanntesten CMS gehören WordPress, TYPO3, Joomla, Drupal oder Contao.
Sie ermöglichen es, Inhalte ohne Programmierkenntnisse zu verwalten und eignen sich besonders dann, wenn regelmäßig neue Inhalte veröffentlicht werden oder mehrere Personen gleichzeitig an der Website arbeiten.
Mit dieser Flexibilität steigt allerdings auch der technische Aufwand.
- Updates.
- Plugins.
- Themes.
- Sicherheit.
- Backups.
- Kompatibilität.
Diese Aufgaben gehören dauerhaft dazu. Das ist kein grundsätzlicher Nachteil eines CMS, sondern schlicht der Preis für seine Vielseitigkeit.
Statische HTML-Websites
Eine statische Website besteht aus fest programmierten HTML-, CSS- und JavaScript-Dateien.
Es gibt keine Datenbank. Keine Plugins. Kein Backend. Keine regelmäßigen Systemupdates.
Dadurch sind statische Websites häufig besonders schnell, sicher und wartungsarm. Gleichzeitig bleibt die vollständige Kontrolle über den Quellcode erhalten.
Das erleichtert nicht nur die technische Optimierung, sondern auch die Suchmaschinenoptimierung und die strukturierte Aufbereitung von Inhalten für moderne KI-Systeme.
Nicht, weil ich WordPress ablehne, sondern weil dieses Konzept perfekt zu meiner eigenen Arbeitsweise passt.
Welche Lösung die richtige ist, hängt deshalb nicht von Trends oder persönlichen Vorlieben ab. Sondern immer von den tatsächlichen Anforderungen des jeweiligen Unternehmens.
Auch meine Sicht auf Agentur-Websites hat sich verändert
In den vergangenen Jahren durfte ich zahlreiche bestehende Unternehmenswebsites analysieren, weiterentwickeln oder komplett neu aufsetzen. Dabei ist mir ein Muster aufgefallen.
Gerade kleinere Unternehmen erhalten ihre Website häufig im Rahmen von Förderprogrammen oder besonders günstigen Komplettpaketen. Das ist grundsätzlich eine gute Entwicklung, denn solche Angebote ermöglichen vielen Betrieben überhaupt erst einen professionellen Internetauftritt.
Gleichzeitig entsteht dadurch oft ein wirtschaftlicher Spagat.
Wer viele Projekte in kurzer Zeit umsetzen muss, arbeitet zwangsläufig mit Templates, wiederkehrenden Modulen und standardisierten Prozessen. Das ist wirtschaftlich nachvollziehbar.
Problematisch wird es erst dann, wenn Standardisierung die Individualität ersetzt.
Ich habe mehrfach erlebt, dass Inhalte oder sogar komplette Blogbeiträge nahezu unverändert auch auf anderen Unternehmenswebsites erschienen. Häufig handelte es sich um allgemeine, KI-generierte Texte, die weder auf das jeweilige Unternehmen noch auf dessen Zielgruppe zugeschnitten waren.
Die Website wirkt dadurch zwar modern und professionell. Doch gute Gestaltung allein reicht heute nicht mehr aus.
Suchmaschinen und KI-Systeme bewerten zunehmend, ob Inhalte tatsächlich zum Unternehmen passen, echte Fachkompetenz vermitteln und individuelle Fragen der Zielgruppe beantworten.
Genau hier entscheidet sich häufig, ob eine Website sichtbar wird oder im digitalen Wettbewerb untergeht.
Was Unternehmen heute wirklich brauchen
Früher stand bei vielen Website-Projekten vor allem die Technik im Mittelpunkt: Welches CMS verwenden wir? Welchen Page Builder setzen wir ein? Welche Plugins benötigen wir?
Heute sehe ich das anders.
Technik ist wichtig. Aber sie sollte niemals Selbstzweck sein.
Eine Website soll in erster Linie ihre Aufgabe erfüllen:
- Sie soll Vertrauen schaffen.
- Gefunden werden.
- Informationen verständlich vermitteln.
- Und Besucher zu Kunden machen.
Welches System dabei im Hintergrund arbeitet, ist für die meisten Besucher völlig nebensächlich. Viel wichtiger ist, dass die Website zuverlässig funktioniert, schnell lädt und langfristig gepflegt werden kann.
Gleichzeitig ist die Website nie nur ein technisches Projekt. Sie ist ein wichtiger Berührungspunkt innerhalb der Customer Journey und muss die Erwartungen aufnehmen, die zuvor durch Suchmaschinen, Anzeigen, Social Media, Empfehlungen oder Newsletter entstanden sind.
Warum ich statische HTML-Websites heute wieder schätze
Genau aus diesen Erfahrungen heraus hat sich meine Arbeitsweise verändert. Denn für viele kleine Unternehmen ist eine klassische Unternehmenswebsite erstaunlich überschaubar.
- Startseite.
- Leistungen.
- Über uns.
- Kontakt.
- Impressum.
- Datenschutz.
Diese Inhalte verändern sich teilweise über Jahre kaum.
Warum also ein komplexes System betreiben, das regelmäßig aktualisiert, gewartet und abgesichert werden muss?
Eine sauber programmierte statische HTML-Website bietet in solchen Fällen viele Vorteile:
- hervorragende Ladezeiten,
- eine sehr hohe Sicherheit,
- kein Wartungsaufwand durch Plugins oder CMS-Updates,
- vollständige Kontrolle über den Quellcode,
- optimale Voraussetzungen für Suchmaschinenoptimierung,
- eine hervorragende Basis für strukturierte Daten, Google AI Overviews und zukünftige KI-gestützte Suchsysteme.
Vor allem aber bleibt die Technik im Hintergrund. Und genau dort gehört sie aus meiner Sicht hin. Denn eine Website ist nur eines von mehreren Zahnrädern im Marketing. Warum nicht die einzelne Maßnahme, sondern ihr Zusammenspiel über den Erfolg entscheidet, lesen Sie im Beitrag „Warum Marketing oft nicht funktioniert“.
Wirtschaftlichkeit wird oft unterschätzt
Ein weiterer Punkt spielt in meinen Überlegungen heute eine deutlich größere Rolle als früher: die Wirtschaftlichkeit.
Technik verursacht Kosten – nicht nur bei der Erstellung, sondern über die gesamte Lebensdauer einer Website. Updates müssen durchgeführt, Plugins gepflegt, Fehler behoben und Sicherheitslücken geschlossen werden.
Je komplexer ein System ist, desto mehr Zeit und Geld fließen häufig in seine Wartung.
Deshalb sollte die technische Lösung nie umfangreicher sein als nötig. Nicht jedes Unternehmen braucht ein System mit unzähligen Funktionen.
Viele Unternehmen brauchen vor allem eine Website, die zuverlässig funktioniert und möglichst wenig Aufwand verursacht.
Trotzdem würde ich niemals pauschal von WordPress abraten
Genau das ist mir wichtig: Dieser Artikel soll keine Abrechnung mit WordPress sein.
Im Gegenteil.
Es gibt zahlreiche Projekte, bei denen ein CMS eindeutig die bessere Lösung ist.
Zum Beispiel wenn
- regelmäßig neue Inhalte veröffentlicht werden,
- mehrere Personen an der Website arbeiten,
- komplexe Redaktionsprozesse bestehen,
- umfangreiche dynamische Funktionen benötigt werden,
- oder ein Online-Shop betrieben beziehungsweise angebunden wird.
Auch ich arbeite täglich mit Shopware und anderen Content-Management-Systemen. Ein Shopsystem verwaltet Produkte, Lagerbestände, Bestellungen, Kundenkonten und Zahlungsprozesse.
Dafür braucht es selbstverständlich eine dynamische Software.
Die Technik sollte sich deshalb immer nach den Anforderungen richten – nicht umgekehrt.
Mein Blick auf Websites hat sich verändert
Früher begann ein Website-Projekt für mich oft mit der Frage:
Welches CMS verwenden wir?
Heute beginnt es mit einer ganz anderen Frage:
Was braucht dieses Unternehmen wirklich?
Manchmal lautet die Antwort WordPress. Manchmal Shopware, manchmal sogar ein Baukastensystem – und manchmal eben eine schlanke, statische HTML-Website.
Nicht, weil sie moderner oder nostalgischer wäre.
Sondern weil sie für dieses Unternehmen die wirtschaftlichste, sicherste und langfristig sinnvollste Lösung ist.
Fazit
Ich habe in den vergangenen Jahren gelernt, dass eine Website nicht dadurch gut wird, dass sie möglichst viele Funktionen besitzt. Sie wird gut, wenn sie dauerhaft gepflegt werden kann, technisch zuverlässig läuft und die Menschen erreicht, für die sie gemacht wurde.
Deshalb empfehle ich heute nicht mehr automatisch ein bestimmtes System, sondern die Lösung, die langfristig zum Unternehmen passt.
Denn am Ende entscheidet nicht das Content-Management-System über den Erfolg einer Website. Entscheidend sind die Strategie dahinter, die Qualität der Inhalte und die Frage, ob die gewählte technische Lösung den tatsächlichen Anforderungen des Unternehmens gerecht wird. Eine technisch gute Website muss deshalb immer in die gesamte Marketingstrategie und die tatsächliche Customer Journey eingebettet sein.
Wichtige Begriffe
CMS
Ein Content-Management-System ermöglicht es, Inhalte über ein Backend zu verwalten, ohne jede Änderung direkt im Quellcode vorzunehmen.
WordPress
Ein weitverbreitetes Open-Source-CMS, das über Themes und Plugins an unterschiedliche Anforderungen angepasst werden kann.
Statische Website
Eine Website aus HTML-, CSS- und JavaScript-Dateien, deren Inhalte ohne serverseitige Datenbank direkt ausgeliefert werden.
Plugin
Eine Erweiterung, die einem CMS zusätzliche Funktionen hinzufügt und regelmäßig gepflegt sowie aktualisiert werden muss.
Page Builder
Ein visuelles Werkzeug zur Gestaltung von Webseiten innerhalb eines CMS, beispielsweise Elementor für WordPress.
Strukturierte Daten
Maschinenlesbare Angaben im Quellcode, die Suchmaschinen helfen, Inhalt und Bedeutung einer Seite besser einzuordnen.
6 häufige Denkfehler bei der Wahl eines Website-Systems
„Wir pflegen später alles selbst.“ Entscheidend ist nicht, ob das theoretisch möglich ist, sondern ob dafür dauerhaft Zeit und Verantwortung vorhanden sind.
Mehr Funktionen bedeuten automatisch mehr Zukunftssicherheit. Unnötige Komplexität kann langfristig mehr Kosten und Fehler verursachen.
Ein CMS ist immer günstiger. Neben der Erstellung zählen auch Updates, Wartung, Backups und Fehlerbehebung über die gesamte Laufzeit.
Eine statische Website lässt sich nicht erweitern. Neue Seiten und Funktionen können ergänzt werden – nur eben kontrolliert im Quellcode.
Ein modernes Design reicht aus. Sichtbarkeit entsteht auch durch individuelle Inhalte, klare Struktur und fachliche Relevanz.
Das System entscheidet über den Erfolg. Entscheidend sind Strategie, Inhalte, Nutzerführung und die Passung zur tatsächlichen Arbeitsweise.
Häufige Fragen zu WordPress und statischen HTML-Websites
Ist WordPress grundsätzlich eine schlechte Wahl?
Nein. WordPress ist besonders sinnvoll, wenn regelmäßig neue Inhalte veröffentlicht werden, mehrere Personen an der Website arbeiten oder dynamische Funktionen benötigt werden. Entscheidend ist, ob das System zu den tatsächlichen Anforderungen des Unternehmens passt.
Was ist der Unterschied zwischen WordPress und einer statischen HTML-Website?
WordPress ist ein Content-Management-System mit Datenbank, Backend, Themes und Plugins. Eine statische Website besteht aus direkt ausgelieferten HTML-, CSS- und JavaScript-Dateien und benötigt kein CMS-Backend oder eine Datenbank.
Für welche Unternehmen eignet sich eine statische HTML-Website?
Eine statische Website eignet sich häufig für kleinere und mittelständische Unternehmen mit überschaubaren Inhalten, die sich nur gelegentlich ändern und professionell betreut werden.
Sind statische Websites sicherer als WordPress-Websites?
Statische Websites haben in der Regel eine kleinere Angriffsfläche, weil sie ohne Datenbank, CMS-Login und Plugins auskommen. Auch sie müssen jedoch sauber programmiert, sicher übertragen und zuverlässig gehostet werden.
Kann eine statische HTML-Website für SEO optimiert werden?
Ja. Seitentitel, Meta-Daten, Überschriften, interne Links, strukturierte Daten, Ladezeiten und Inhalte können direkt und sehr gezielt optimiert werden.
Kann man eine statische Website später erweitern?
Ja. Neue Seiten, Wissensbeiträge, Formulare oder JavaScript-Funktionen können ergänzt werden. Bei sehr häufigen Änderungen oder komplexen Redaktionsabläufen kann ein CMS langfristig trotzdem sinnvoller sein.
Wann ist ein CMS die bessere Lösung?
Ein CMS ist meist die bessere Lösung, wenn viele Inhalte regelmäßig von mehreren Personen gepflegt werden, Freigabeprozesse bestehen, umfangreiche dynamische Funktionen benötigt werden oder ein Online-Shop betrieben wird.
Welche Website-Lösung passt wirklich zu Ihrem Unternehmen?
Dann lassen Sie uns gemeinsam darauf schauen. Ich unterstütze Unternehmen dabei, bestehende Websites ehrlich zu bewerten und eine technische Lösung zu entwickeln, die langfristig zu ihren Zielen, Ressourcen und Arbeitsabläufen passt.
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